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Duschkultur im Wandel der Zeit

Kleine Geschichte der Dusche

Seit wann duschen Menschen sich eigentlich? War die Dusche eine europäische Erfindung? Sind Duschen weltweit verbreitet? Ein paar interessante Fakten über die Entwicklung der Duschkultur.

Eine Frage der Technik

Fans der postapokalyptischen Comedy-Serie “The Last Man on Earth”, in der ein Virus fast die gesamte Menschheit ausgelöscht hat, erinnern sich wahrscheinlich an diese Szene: nach langer Zeit kommen die wenigen Überlebenden der Katastrophe zum ersten Mal in den Genuss einer Dusche. Alleskönner Phil wird zum Helden des Tages, weil es ihm gelungen war, dank einer mit Solarenergie betriebenen Pumpe einen Duschmechanismus zu bauen. Die Szene macht deutlich, dass unsere alltägliche Dusche so alltäglich gar nicht ist. Die Idee liegt zwar nahe und die Natur macht es vor – Wasserfälle gibt es in vielen Gegenden der Welt und Regen fällt sogar hin und wieder in der Wüste – aber um das Ganze zu automatisieren, gehört dann doch ein bisschen Technik dazu, insbesondere, wenn das Wasser auch noch dosiert und erhitzt werden soll.

Aber gehen wir der Reihe nach vor, denn von den ersten Wassergüssen bis zur modernen Dusche war es ein langer Weg.

Frau duscht sich unter einem Wasserfall.

Dusche unterm Wasserfall

Einfache Arten der Dusche

Einfache Formen der Dusche, sprich: Wassergüsse, sind eigentlich weltweit verbreitet, ausgenommen vielleicht sehr wasserarme Gegenden wie Wüsten und Steppen. In vielen Kulturen hat der Wasserguss selbst eine rituelle, spirituelle oder religiöse Bedeutung, er dient nicht nur der körperlichen, sondern auch der seelischen Reinigung. So haben sich denn auch recht unterschiedliche Formen und Rituale des Wassergiessens entwickelt.

Weltreisende berichten oft und gerne von den Eigenarten der asiatischen Bäder wie etwa denen des indonesischen Kamar Mandi. Hier gibt es einen Wasserkübel, den sogenannten Bak Mandi, aus dem man mit einer Kelle, dem Gayung, das Wasser schöpft und sich damit übergiesst. Ahnungslose Weltenbummler nehmen oft fälschlicherweise an, dass man in den Kübel hineinsteigen muss als handele es sich um eine Badewanne und dann ist der Ärger gross:  das gesamte Wasser muss ausgetauscht werden!

Inder beim rituellen Wassergiessen

Inder beim Wasserritual

Die ersten automatisierten Duschen in der Antike

Um automatisierte Formen des Duschens zu entwickeln, gibt es zwei Voraussetzungen: fliessend Wasser und wasserführende Armaturen. Nun sind diese beiden Elemente bekanntlich keine Erfindungen der Neuzeit. Der Grieche Philon von Byzanz (3. Jhr v Chr.) gilt als Erfinder der ersten wasserführenden Armatur und zur Zeit der für ihre hochentwickelte Badekultur bekannten Römer wurde das Wasserleitungssystem samt multifunktioneller Ventile aufs Höchste perfektioniert. Allerdings war das, was wir heute unter einer Dusche verstehen, in der Antike wohl eher selten, wenn auch nicht vollkommen unbekannt. So sind Vasen mit Abbildungen griechischer Frauen unter der Dusche erhalten (siehe Titelbild) und Plinius schreibt dem römischen Ingenieur Gaius Sergius Orata die Veredelung von Landhäusern mit „hängenden Bädern“ zu. Allerdings fanden die Duschen keine allgemeine Verbreitung. Im Altertum zog man halt das Baden vor.

Die Dusche wird wiederentdeckt

Bekanntlich war es in Europa nach dem Untergang des Römischen Reiches mit der Badekultur erst einmal vorbei. Im Mittelalter glaubte man, dass das Wasser des Teufels sei und hielt sich möglichst davon fern. Selbst Könige und Fürsten badeten sich oft kaum mehr als einmal im Leben.

Die Wiederentdeckung der Dusche im 16. und 17. Jahrhundert geschah zunächst einmal zu therapeutischen und nicht zu Reinigungszwecken. Mit dem Aufkommen der Heilbäder experimentierte man mit verschiedenen Arten von Wassergüssen, die allerlei Arten von Krankheiten heilen sollten. In diesem Zusammenhang entstanden dann auch technisch simple Erfindungen wie zum Beispiel die Waldduschen. Bei einer Walddusche wird von einem fliessenden Gewässer, meist einer Heilquelle, Wasser über eine Rinne abgezweigt und zu einem Punkt mit einem kleinen künstlichen Abhang geleitet, von dem aus das Wasser auf den Patienten fällt. Die meisten dieser Duschen sind heute nicht mehr in Betrieb, aber es gibt Ausnahmen. So wurde die Walddusche im deutschen Hainbachtal bei Gleiswerder in den 90er Jahren wiederentdeckt und erneut in Betrieb genommen. Für diese (übrigens eiskalte) Dusche mitten im Wald wird das Quellwasser des Hainbachs abgezweigt, das während des 19. Jahrhunderts zu therapeutischen Zwecken eingesetzt wurde. So können Waldwanderer heute wieder in den Genuss dieser kalten Dusche kommen.

Andere Verfahren, die fürs Kurduschen entwickelt wurden, verwendeten ein Wasserbehältnis, das nach und nach entleert wurde, beispielsweise einen am Boden durchlöcherten Wassereimer. Ähnliche Prinzipien werden heute noch z. B. bei Campingduschen eingesetzt (deren einfachste Variante wohl die durchlöcherte umgekehrte Wasserflasche ist).

Dusche im Wald

Walddusche im Hainbachtal

Die moderne Dusche

Die automatisierte, an ein Wasserleitungssystem angeschlossene Dusche mit Brause und Armaturen (sprich: die moderne Dusche), ist eine Erfindung des 19. Jahrhunderts und wir verdanken sie einem Franzosen: dem Mediziner François Merry Delabost. Seine Erfindung zielte jedoch nicht etwa darauf ab, Landhäuser zu veredeln, Kurbäder auszustatten oder gar Luxusoasen für reiche Herrschaften zu errichten. Nein, diejenigen, die im Jahre 1872 in den Genuss der ersten Duschen im modernen Sinne kamen, waren die Häftlinge des Gefängnisses von Rouen. Delabost schrieb den schlechten Gesundheitszustand der Insassen einer mangelnden Hygiene zu und zerbrach sich den Kopf darüber, wie man kosten- bzw. wassersparend so viel Menschen wie möglich in kürzester Zeit reinigen könnte. Das Ergebnis seiner Grübeleien war… genau: die Dusche. Kurz darauf wurde die Erfindung dann auch naheliegenderweise für die Soldaten in den Kasernen verwendet und später auf andere öffentlichen Einrichtungen übertragen. Teil des privaten Badezimmers wurde die Dusche erst sehr viel später, etwa ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Einer der Gründe, weshalb sich die Dusche in unserer Kultur denn auch so flächendeckend durchgesetzt hat, ist wohl eben dieser Vorteil: wie schnell und praktisch man damit vollkommen sauber und entspannt wird. Unser Reinheitsbedürfnis ist im Laufe der Zeit gestiegen, unsere Zeit hingegen knapper geworden: nichts praktischer also als eine Dusche.

 

Quellenangabe:

Klaus Kramer: „Das private Hausbad“, http://www.klauskramer.de/Hausbad/Das_private_Hausbad_Teil3.pdf

Reise-Knigge, Süddeutsche Zeitung, https://www.sueddeutsche.de/reise/reise-knigge-weltweit-vorsicht-internationale-fettnaepfchen-1.1762012-7